Top3 Mai 2019

 

Jürgen Prott:
Solidarität in zerbrechlicher Gesellschaft. Soziale Schichtung und Mobilität in Deutschland

Rainer Hampp Verlag, Augsburg, München 2019, 306 S.,
ISBN 978-3-95710-249-2 (print), € 32.80
ISBN 978-3-95710-349-9 (e-book pdf), € 29.99

Alle reden von der fortschreitenden Polarisierung großer Gruppen der Gesellschaft. Eine sich fast unaufhaltsam öffnende „Schere zwischen Arm und Reich“ hat sich, kaum hinterfragt und durch statistische Fakten nur schwer zu irritieren, als Metapher eines kritischen Zeitgeistes zur Selbstverständlichkeit ausgeformt. Solidarität, dieses tätige Miteinander, soll den Ausweg weisen aus dem Irrweg eines entfesselten Individualismus wie gefährdeter sozialer Sicherheiten. Soziologen mischen in diesem Diskurs kräftig mit. Sie beschwören die Wiedergeburt der „Klassengesellschaft“ (Eribon), sympathisieren mit dem „Aufbegehren“ gegen die „Abstiegsgesellschaft“ (Nachtwey) oder preisen umgekehrt den Eigensinn einer aus „Singularisten“ bestehenden „neuen Mittelklasse“ gegen gleichförmige Erstarrungen (Reckwitz). Was bedeutet in diesem Kontext Solidarität in sich wandelnden Konfliktkonstellationen und neuartigen gesellschaftlichen Konfigurationen heute? Ist sie als vermeintlich bewährtes Handlungskonzept einer geeinten wie kämpferischen „Arbeiterklasse“ oder auch nur als ursprünglicher Markenkern des Gewerkschaftlichen herabgesunken auf den Status eines vergeblichen gesamtgesellschaftlichen Harmoniestrebens? Erschöpft sie sich gar in der Barmherzigkeitsethik christlicher Nächstenliebe?

Der Autor erörtert diese Fragen zunächst in einer kritischen Auseinandersetzung mit Grundlinien neuerer soziologischer Studien zu gesamtgesellschaftlichen Strukturen und den darin eingeschlossenen Chancen sozialer Mobilität. Dabei legt er besonderen Wert auf die Klärung soziologisch gebräuchlicher Kategorien der Schichtungsanalyse vor dem Hintergrund solider erfahrungswissenschaftlicher Befunde. Dann führt er den Begriff der Solidarität auf seinen gewerkschaftlichen Ursprung zurück, um von da aus den Blick freizulegen auf sein recht widersprüchliches Bedeutungspotential in der aktuellen Debatte. Schließlich zeigt er, gestützt auf eigene empirische Erhebungen im Kreis von Nachwuchskräften für ehrenamtliche Gewerkschaftsarbeit, wie wichtig und zugleich beschwerlich Solidarität als organisierte wechselseitige Unterstützung in einer ausdifferenzierten Gesellschaft zu realisieren ist, wenn sie ihre Voraussetzungen ernst nimmt: das gleichrangige Aushandeln gemeinsamer Interessen. So gesehen ist und bleibt Solidarität so zerbrechlich wie die ganze Gesellschaft und das darin eingeschlossene alltägliche Miteinander.

Schlüsselwörter: Soziale Schichtung, soziale Klassen, soziale Mobilität, Solidarität, Arbeitnehmer-Solidarität, Zukunft der Gesellschaft, Gewerkschaftspolitik, soziale Ungerechtigkeit

 

Franziska Georg:
Die Generation Y und ihre Work-Life-Balance

Praxisorientierte Personal- und Organisationsforschung,
hrsg. von Reiner Bröckermann, Band 23,
Rainer Hampp Verlag, Augsburg, München 2019, 138 S.,
ISBN 978-3-95710-229-4 (print), € 19.80
ISBN 978-3-95710-329-1 (e-book pdf), € 17.99

Leben, um zu arbeiten – das war einmal. Viele junge Arbeitnehmer von heute sehen es nicht ein, ihre Familie, Freunde und Freizeit zugunsten von Überstunden, Stress und Karriere zu vernachlässigen. Vielmehr rückt ein angemessenes Verhältnis zwischen beruflichem und privatem Lebensbereich, die Work-Life-Balance, für die sogenannte Generation Y in den Vordergrund. Zumindest ist diese Ansicht in Öffentlichkeit und Medien weit verbreitet.

Doch spiegelt das öffentliche Bild dieser Generation die Realität wider? Wie relevant ist das Thema Work-Life-Balance tatsächlich im Alltag der Generation Y? Wissen die jungen Berufstätigen über die Work-Life-Balance-Angebote ihrer Arbeitgeber Bescheid? Und nutzen sie diese auch?

Auf diese und weitere Fragen sollen mit diesem Buch Antworten gefunden werden.

Schlüsselwörter: Generation Y, Millennials, Work-Life-Balance, War for Talent, demographischer Wandel

 

Milena Valeva (Hrsg.):
Emotionale Intelligenz. Retrospektiven | Momentaufnahmen | Ausblicke

Rainer Hampp Verlag, Augsburg, München 2019, 152 S.,
ISBN 978-3-95710-237-9 (print), € 19.80
ISBN 978-3-95710-337-6 (e-book pdf), € 17.99

Seit den 1990er-Jahren wurde der Vorschlag nach einer neuen Art der Intelligenz laut, der Emotionalen Intelligenz (EI). Die Botschaft dahinter: In der bislang unterschätzten Kompetenz des Urteilens über Emotionen liegt ein enormes Anwendungspotenzial. Dieser Band untersucht über die Zeitdimension – von der Retrospektive über die Momentaufnahme bis hin zum Ausblick – und verschiedene Funktionsbereiche den Bestand und die Wirkmacht Emotionaler Intelligenz:

Inwieweit beeinflusst die EI einer Person ihre interkulturelle Sensibilität? Kann EI uns helfen, den Hass in der Kommunikation zu überwinden? Kann EI die Kollaboration im organisationalen Kontext verbessern? Welches Potenzial hat EI für die Führung unter besonderer Berücksichtigung der Gender-Perspektive? Wie ist EI aus der Gesellschaftsperspektive einzuordnen? Ist EI messbar? Wie lässt sich EI über den Einsatz technischer Systeme (Mensch-Maschine-Interaktion) erlernen und weiterentwickeln?

Diesen Fragen widmeten sich die Studierenden des inter- und transdisziplinären Masterstudiengangs ZukunftsDesign (an der Hochschule Coburg) im Rahmen eines Semesterprojekts zum Thema Emotionale Intelligenz im Wintersemester 2018/2019. Dieser Band dokumentiert ihre Ergebnisse.

Der Masterstudiengang ZukunftsDesign ist aufgrund seiner inter- und transdisziplinären Ausrichtung, den ein regionaler Entwicklungsauftrag begleitet, einzigartig. Das innovative Lehrkonzept des Studiengangs setzt auf Projekte, die aus der regionalen Wirtschaft und von den Studierenden selbst eingebracht werden. Im April 2018 zeichnete das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst die Lehr- und Unterrichtsformen des Studiengangs mit seinem Preis für herausragende Lehre in der Kategorie Projekt aus.

Schlüsselwörter: Emotionale Intelligenz (EI), Soziale Intelligenz, gendergerechte Führung, Team-Kollaboration, Intelligenz messen, Interkulturelle Kommunikation, Social-Media-Kommunikation, soziale Gerechtigkeit, digitale Transformation